Politische Aufklärung – auch das kann Theater!

Politische Aufklärung – auch das kann Theater!

Am Montag, den 11. Juli 2022, fand für alle 8. Klassen des Gymnasiums eine besondere Theateraufführung statt. Besonders, weil wir zum einen den großen Saal der Fortuna Kulturfabrik nutzen durften, dessen Bühne ein „echtes“ Theatererlebnis ermöglicht. Besonders aber zum anderen wegen des ausgewählten Stückes. Gezeigt wurde „Ich bin kein Nazi, aber…“ von einer Schauspielerin und einem Schauspieler des ueTheaters aus Regensburg, die in ihren Rollen als politisch rechte junge Frau und als linksliberaler junger Mann polarisierten und provozierten.

Die „Lösungsansätze“ der Rechtspopulist:innen, die auf den allerersten Blick manchen logisch erscheinen mögen, werden in dem Stück hinterfragt. Es gelingt der Figur des von der Antagonistin als „Gutmensch“ verhöhnten Mannes, diese rechten demokratiefeindlichen Thesen zu widerlegen und aufzuzeigen, dass sie eben zu kurz greifen, dass durch das Zeigen auf vermeintliche Sündenböcke die großen aktuellen Probleme nicht gelöst werden können.

 

Gegen Ende des Stücks führt die junge Frau exemplarisch in einem Monolog aus, aus welchen persönlichen Gründen sie empfänglich war für rechtes Gedankengut, wie sie in die rechte Szene hineingeschlittert ist. Auf der Suche nach dem Sinn im Leben, nach Struktur und Ordnung hat sie hier Halt gefunden – und aus dem Gefühl der Angst und Ohnmacht im Alltag heraus sehnt sie sich auch jetzt wieder nach einem „starken Führer“, der aber „gut“ sein soll…

Die junge Frau bezeichnet sich selbst als Patriotin und beteuert, kein Nazi und keine Rassistin zu sein. Aber: Man ist nicht erst ein Nazi, wenn man sich selbst als solcher bezeichnet!

Die Schülerinnen und Schüler waren mit eingebunden in das Stück, weil sie bei dem mehrteiligen Abstimmungsduell mitmachen sollten, das die beiden Figuren einsetzten, um herauszufinden, wer von beiden die besseren Argumente hat – und die Mehrheit im Publikum überzeugen kann. Hier prallten Thesen wie z.B. „Deutsche zuerst“ und „Deutschland trägt durch seine Außenpolitik eine Mitschuld an den Flüchtlingsbewegungen“ aufeinander.

Erfreulicherweise gab es bei unseren Achtklässler:innen keine oder nur ganz vereinzelte Zustimmung zu rechtspopulistischen Forderungen. Dennoch ist die Sensibilisierung für und ein Aufdecken und Hinterfragen rechter Parolen auch hier wichtig. Und wenn diese politische Bildung so amüsant und überzeugend gelingt wie an diesem Vormittag mit dem ueTheater, dann zeigt sich wieder einmal, was Theater vermag.

 

 

Tanja Wulff