Das Museum zum Mitnehmen

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Höchstadt stellen einen Museumskoffer für eine Reise in die Steinzeit zusammen 

In dieser durch Corona belasteten Zeit ist es nicht immer ganz einfach noch Raum für Kultur zu finden. Ein Kino- oder ein Museumsbesuch gar, sind eine Seltenheit, bisweilen unmöglich geworden. Auch Schulen leiden derzeit darunter, dass das „Lernen von Ort“ -ein typisches Konzept gerade in Fach Geschichte- oft nicht mehr stattfinden kann.  

Gerade in dieser Hinsicht kann das Projekt „Museum im Koffer“ nun doppelt punkten. Ursprünglich als ein für Schulen und Freizeiteinrichtungen ausleibarer Museumskoffer erdacht, der handlungsorientierte Auseinandersetzung mit der Steinzeit als Projektarbeit im Unterricht oder Stationsarbeit in Ferienprogrammen erlaubt, ist es in der derzeitigen Situation zu einem kulturellen Bindeglied geworden. 

„Die Kinder werden zunächst von der Familie Faustkeil zu ihrer Reise in die Steinzeit begrüßt und jedes Familienmitglied ist anschließend auch Pate für eine Mitmach-Station unseres Museumskoffers“, erklärt die Schülerin Stephanie Christian, die Schöpferin der Comic-Familie. Die Schülerin stellte gemeinsam mit ihrer Projektkollegin Sophia Kafai das pädagogische Konzept am vergangenen Dienstag den Sponsoren des Projekts, Frau Billenstein von der LAG-Aischgrund und Herrn Plätzer, Leiter des Heimatmuseums Höchstadt vor. 

„Damit sich auch alle wie in der Steinzeit fühlen, sorgen Tierfelle und Rollups, die das Leben der Menschen in der Jung- und Altsteinzeit zeigen, für das richtige Ambiente“, erläutert Sophia Kafai, die Projektleiterin des P-Seminars (Projekt-Seminars der neuen gymnasialen Oberstufe) Frau Billenstein die Aufsteller. 

 

Gemeinsam mit ihrer Kursleiterin Isabella Klumpe hatten sich die 15 Schülerinnen und Schüler des Seminars 7 Stationen überlegt, an denen die Schüler dem Leben der Steinzeitmenschen nachspüren können. Drei davon stellten sie ihren Gästen im Rahmen der Projektpräsentation vor.  

So gibt es eine Station „Kochen und Backen“, wo man mithilfe eines Malsteins zuerst sein Getreide mahlen muss, bevor es zu einem Hirsebrei verarbeitet werden kann. Der darüber hinaus benötigte Apfel muss anschließend mit steinzeitlichem Werkzeug zerkleinert werden. „Ich wäre Vollkornesser gewesen“, erklärte Herr Deiner bei dem schweißtreibenden Versuch mit dem Mahlstein eine Portion Getreide zu zerkleinern.  

Handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit benötigt man auch bei der Station „Schmuckherstellung“, was Herrn Plätzer bei der Betätigung eines steinzeitlichen Bohrers nach ein paar Versuchen und fachmännischer Instruktion durch die Schülerin Sophia Sauer auch schnell zeigte. Mit dem Bohrer sollen die Kinder Löcher in ein vorher bearbeitetes Stück Speckstein bohren, bevor man ihn als Anhänger an einem Lederbändchen befestigen und als Souvenir der Steinzeit mit nach Hause nehmen kann.  

Aber was, wenn die fachmännische Anleitung später einmal fehlt? Auch daran haben die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums gedacht und nicht nur Schritt-für -Schritt Anleitungen der Familie Faustkeil beigelegt, sondern auch in kleinen Anwenderfilmen gedreht. „Diese sind über einen QR-Code, der sich auf jeder Beschreibung befindet, von jedem Handy aus überall und immer abrufbar“, zeigt die Schülerin Theresa Beier dem sichtlich beeindruckten Herrn Plätzer das Video für die Station „Steinzeitliches Malen“. Hier besteht die Herausforderung nämlich zunächst darin, Farben aus Gewürzen mit der richtigen Menge Mehl und Wasser zu verrühren. Ist das geschafft, können die steinzeitlichen Künstler mit einem angekokelten Zweig Konturen ihres Kunstwerks auf Packpapier zeichnen und anschließend mit den Naturfarben bemalen. Dass die Schüler an der Station im Liegen unter einem verhüllten Tisch über Kopf malen sollen, um Höhlenbedingungen nachzustellen, hat man Frau Billenstein erspart, die sich ganz gekonnt künstlerisch verewigte. 

Ein Highlight des Projektkoffers sind sicherlich die im schuleigenen 3D-Drucker erstellten Schädel-Repliken eines Australopithecus, Neandertalers und Homo sapiens. An den Schädelformen sollen die Schüler im Rahmen der Einführung die Entwicklung des Menschen und seine Anpassung an die Umwelt nachvollziehen. 

 

Beeindruckt vom Konzept, den pädagogischen Überlegungen und den bis ins Detail toll umgesetzten Materialien bedankten sich die Sponsoren und der neue Besitzer des Museumskoffers, das Heimatmuseum Höchstadt mit ihrem Leiter Herrn Christian Plätzer, bei den Schülerinnen und Schülern. Interessierte Lehrkräfte aller Schularten und Freizeiteinrichtungen können den Museumskoffer ab sofort direkt über Herrn Plätzer, in Kürze auch über die neu gestaltete Homepage des Museums, ausleihen und sich mit ihren Schülern gemeinsam auf eine Reise in die Steinzeit begeben- Coronakonform im eigenen Schulhaus. 

 

Isabella Klumpe